Geschichte

Französische Friedrichstadtkirche

Der Name

Der Name „Französische Friedrichstadtkirche“ erklärt sich aus seiner Geschichte: Die Kirche wurde in der Friedrichstadt zwischen 1701 und 1705 von französischen Glaubensflüchtlingen, den Hugenotten, und für sie errichtet. Sie heißt nicht nach einer Person – um keine Hierarchie wiederzugeben -, wie etwa Johannes Calvin oder einer biblischen Figur, sondern allein nach den Nutzern und ihrem Standort.

Ihre Erbauer waren die französischen Festungsbaumeister Jean Cayart (*1644, †1702) und, nach dessen Tod, Abraham Quesnay (*1660, †1726). Beide gehörten zu den Réfugiés. Immer wieder diskutiert wird die Frage, ob die „Französische Kirche auf der Friedrichstadt“ den reformierten „Tempel von Charenton“ baulich kopiert haben soll. Diese Paris am nächsten gelegene protestantische Kirche war 1685 zerstört worden.

Durch Geldsammlungen hatten die Angehörigen der Berliner Hugenottenkolonie zu Beginn des 18. Jahrhunderts das notwendige Kapital für den Bau einer eigenen Kirche aufgebracht. Die Bauarbeiten, die sämtlich von den Hugenotten selbst ausgeführt wurden, konnten mit der Grundsteinlegung im Beisein des Kronprinzen Friedrich Wilhelm am 1. Juli 1701 beginnen.

Gedenktafel mit Innschrift
Gedenktafel mit Innschrift

Schon der schlichte Name der Kirche bezeugt ihren reformierten Charakter. An der linken Außenseite der Kirche befindet sich eine Gedenktafel mit der Inschrift:

Französische Friedrichstadtkirche
Erbaut 1701-1705 durch
J. Cayart und A. Quesnay
Erneuert 1905
nach Plänen von O. March
Zerstört im 2. Weltkrieg
Aufgebaut 1978-1983

Innenraum

Der Innenraum der Kirche ist von großer Einfachheit. Das reformierte Gottesdienstverständnis kommt darin zum Ausdruck: im Mittelpunkt steht die Kanzel, der Ort der Verkündigung; darunter der einfache Abendmahlstisch mit der Bibel.

Große Einfachheit prägt den Innenraum der Kirche.
Große Einfachheit prägt den Innenraum der Kirche

Es gibt keinen Altar, da die reformierte Lehre vom Abendmahl die „Realpräsenz“ Christi in Wein und Brot ablehnt und deshalb auch keinen Altar kennt, der als solcher einen Opfertisch darstellt.

Wegen des Bilderverbots in der reformierten Tradition findet sich in der Kirche weder eine bildhafte Darstellung noch ein Kreuz. Für die Anhänger Johannes Calvins und die reformierte Kirche liegt unter anderem im Bilderverbot eine konsequente Weiterführung der Reformation Luthers. Seine biblische Begründung findet das Bilderverbot in dem zweiten der zehn Gebote, wonach keine Abbildung erlaubt sei „weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser ist“ (5. Buch Mose 5,8).

Auge Gottes und Orgel

Dennoch gibt es – aller „Reformiertheit“ dieser Kirche zum Trotz – eine Ausnahme: die Orgel mit ihrem Strahlenkranz. Allein die Tatsache, dass es eine Orgel gibt, entspricht nicht der alten Regel, wonach es in reformierten Gottesdiensten nur den Psalmgesang der Gemeinde ohne instrumentale Begleitung geben durfte. Außerdem verfügt die Orgel über das einzige Bild: eine für die Barockzeit übliche Darstellung des Auges Gottes am Orgelprospekt. Das Auge im Strahlenkranz der Sonne – seit altägyptischen Zeiten ein weit verbreitetes Symbol, das unter anderem auch die Freimaurer nutzen und das während der Französischen Revolution ein Zeichen für die neue Offenheit der Gesellschaft wurde. Im kirchlichen Kontext bezeugt es in der Regel die immerwährende und ewig wachsame Anwesenheit Gottes bei den Menschen. Umrahmt wird das Auge von einem Dreieck als Zeichen der Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Im 18. Jahrhundert, der Zeit der Aufklärung, als die erste Orgel in die Kirche eingebaut wurde, konnte man das Auge allerdings im abstrakten Sinne als „Auge der höchsten Vernunft“ und somit nicht als gegenständliche Abbildung deuten, die nach reformierter Auffassung verboten ist.

Dennoch gleicht es fast einer Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet dieser für eine reformierte Kirche untypische Bildschmuck das einzige aus der Vorkriegszeit original erhaltene Ausstattungsstück der Kirche ist. Im Zweiten Weltkrieg an separatem Ort eingelagert, überstand das blattvergoldete Orgelschnitzwerk von 1754/55 die Zeiten und entging der Zerstörung.

Umbau 1905, Zerstörung 1944, Wiederaufbau seit 1978

Zu ihrem 200-jährigen Bestehen wurde die Kirche 1905 nach Plänen von Otto March neobarock umgestaltet. Bis dahin war sie in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Der Eingang befand sich dort, wo heute der Zugang zum Restaurant „Refugium“ ist. Die Kanzel stand im Norden. Außerdem war die Kirche in den ersten 200 Jahren ihres Bestehens in ihrer Ausstattung noch einfacher und schlichter als seit jenem Umbau. Während des Umbaus wurde der Innenraum „gedreht“, der Haupteingang auf die Westseite und die Kanzel mit der Orgel nach Osten (wo sich auch heute die Kanzel befindet) verlegt. Von diesem wilhelminischen Umbau zeugt auch die Inschrift am Giebel über dem Eingangsportal: „Gott zur Ehre / Der Gemeinde zum Segen / Unter dem Schutze der Hohenzollern / Erbaut 1705. Erneuert 1905 “.

Zeuge des wilhelminischen Umbaus: die Inschrift am Giebel über dem Eingangsportal.
Zeuge des wilhelminischen Umbaus: die Inschrift am Giebel über dem Eingangsportal.

Die Kanzel, die im Rahmen des Wiederaufbaus nach dem Krieg originalgetreu wieder hergestellt wurde, schließt mit einem Schnitzwerk ab, in dem durchaus eine ornamentale Reminiszenz an die Königskrone der Hohenzollern (und mithin ein zweites „Bild“ in der Kirche) erblickt werden kann. Schließlich sahen die Hugenotten seit ihrer Einwanderung in den Hohenzollern ihre kurfürstlichen und königlichen Protektoren.

Die zerstörte Kirche nach dem zweiten Weltkrieg
Die zerstörte Kirche nach dem zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bis auf die Außenmauern zerstört. Der Wiederaufbau nach dem neobarocken Vorbild von 1905 begann 1978. Dabei wurde eine Zwischendecke eingezogen, die das Gebäude in den Kirchraum (oben) und in multifunktionale Räume (unten) aufteilte. Dadurch wurde als Zugang zur Kirche eine doppelläufige Freitreppe nötig. Die Orgel wurde nicht, wie 1905, über der Kanzel, sondern auf der gegenüberliegenden Empore über dem Eingang platziert.

Seit dem Eröffnungsgottesdienst zu Ostern 1983 wird die Kirche wieder genutzt.